Landsberger Tagblatt: Kolumne
Wenn bei der Theaterprobe plötzlich gejodelt wird
„Was ist hier los? Ich wollte doch nur Theater spielen“, denkt man sich. Und damit ist man wohl nicht allein im Raum. Das Ensemble der Kulturinitiative „Egling-Huaschof intakt“ steht im Kreis im alten Stadel in Heinrichshofen und klopft im Takt auf Brust und Schenkel. Anfangs noch etwas holprig, dann immer flüssiger, wechseln die Darstellerinnen und Darsteller zwischen Brust- und Kopfstimme und beenden den Jodler mit einem kräftigen Schlussjuchzer. Immer wieder bricht Gelächter aus, denn ganz ehrlich: Am Anfang fühlt sich das alles ein bisschen albern an. Aber irgendwann ist das einfach egal.
Theatergruppe probt Jodeln für Berliner Komödie
Die erste Probe auf der großen Bühne im Stadel beginnt gleich mit einem Jodelkurs. Dabei spielt das Stück gar nicht in den Bergen, sondern im Berlin der 1920er-Jahre. „Pension Schöller“ heißt die Komödie, die im Juli auf die Bühne kommen soll. Und trotzdem stehen wir hier und jodeln.
Die Theatergruppe hatte viel Spaß beim Jodeln. Foto: Kulturinitiative Egling-Huaschof Intakt e.V.
Los ging alles mit einem Anruf im Januar. Theresa Knoller sucht Unterstützung. Sie ist die Nichte des verstorbenen Theaterinitiators, Martin Wölzmüller, und hat die Arbeit als Vereinsvorsitzende übernommen – mit allen Vorteilen und Schwierigkeiten. Ein paar Leute fallen dieses Jahr aus, also soll ein Zeitungsaufruf neue Mitstreiter finden. Januar ist bekanntlich der Monat der guten Vorsätze. Und auf meiner Bucket List steht schon lange: einmal bei einem Theaterstück mitmachen. Ich nehme das Gespräch kurzerhand als Wink des Schicksals. Und zack, hat das Theater für diese Saison eine neue Darstellerin. Vollkommen unerfahren, aber motiviert.
Die Kolumne „Was für ein Theater!“ wird in loser Folge von diesem Abenteuer erzählen, von den guten Momenten und wahrscheinlich auch von den schwierigen. Und vielleicht bringt sie ja die eine oder den anderen dazu, endlich mal etwas auszuprobieren, das schon ewig im Kopf herumschwirrt.
Mit freundlicher Genehmigung des Landsberger Tagblatts. Zum Originalartikel